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Quartier Ohlendiekshöhe - munteres Leben und dunkle Wolken

Fertigstellung und Bezug der Wohnungen im Quartier Ohlendiekshöhe schreiten zügig voran, und auf dem Gelände entwickelt sich ein munteres Leben: 500 Flüchtlinge wohnen inzwischen auf dem Gelände, mehr als ein Drittel davon sind Kinder und Jugendliche. Jeweils ca. 33 % der Flüchtlinge, die jetzt im Quartier Ohlendiekshöhe wohnen, sind aus Afghanistan bzw. aus Syrien geflüchtet; etliche der NeuPoppenbütteler stammen ursprünglich aus dem Irak, dem Iran, Eritrea oder Somalia.

Die Flüchtlingswohnungen sind „Unterkünfte mit der Perspektive Wohnen (UPW)“ – den Flüchtlingen wird also mit diesen Unterkünften lediglich ein zeitlich befristetes Zuhause zur Verfügung gestellt, bis sie eine reguläre Mietwohnung gefunden haben. Verantwortlich für den Betrieb der Flüchtlingsunterkünfte ist f & w – fördern und wohnen. Ab Juni werden die Sozialwohnungen und zum Ende des Jahres auch die freifinanzierten Wohnungen bezugsfertig sein. Vermieter dieser Wohnungen ist f & w – fördern und wohnen. Am 1. April wurde eine Kindertagesstätte auf dem Gelände eröffnet. Sie nimmt insgesamt 50 Kinder auf (15 Krippenplätze und 35 Kita-Plätze). Das pädagogische Programm der Einrichtung ist ausgerichtet auf Kinder mit und ohne Migrationshintergrund sowie auf Kinder mit und ohne Behinderung. Träger dieser Kita, die nicht nur Kinder aus dem Quartier Ohlendiekshöhe, sondern aus dem ganzen Stadtteil aufnimmt, ist das Deutsche Rote Kreuz. Zu einem späteren Zeitpunkt soll eine zweite Kita auf dem Gelände realisiert werden. Voraussichtlich Ende Juni dieses Jahres soll der Grundstein für das Begegnungshaus gelegt werden; mit der Fertigstellung des Gebäudes ist im 2. Quartal 2019 zu rechnen. Für alle handwerklich begabten Mitglieder unserer Kirchengemeinde ergibt sich hier eine spannende Möglichkeit, im Rahmen gemeinsamer Arbeit mit Flüchtlingen, Profis und BerufsschülerInnen aus dem Baugewerbe und mit alteingesessenen Poppenbüttelern an der Realisierung eines bisher einmaligen Projekts mitzuwirken und dabei Bekanntschaften mit den neuen Poppenbütteler Nachbarn zu knüpfen (weitere Informationen: ). Seit die schon lange „erwarteten“ Flüchtlinge tatsächlich im Quartier Ohlendiekshöhe angekommen sind, sind viele Hilfs- und Integrationsmaßnahmen angelaufen: Die hauptamtlich Mitarbeitenden von f & w – fördern und wohnen – und von AQtivus (AWO) helfen den Flüchtlingen bei der Bewältigung der Alltagsprobleme, bei der beruflichen und sozialen Integration und bei Behördengängen. Aber auch um die fröhliche Seite des Lebens kümmert man sich: Am 29. Juni wird ein großes Sommerfest stattfinden, das auch in den Stadtteil Poppenbüttel hineinwirken soll. In der Verantwortung des Quartiersmanagements ist ein Quartiersbeirat Ohlendiekshöhe geschaffen worden. Er hat die Aufgabe, durch Beteiligung der BewohnerInnen des Quartiers Ohlendiekshöhe und des Stadtteils Poppenbüttel sowie von VertreterInnen der örtlichen Institutionen, Vereine, Initiativen und Verbände zu einer positiven Entwicklung des Stadtteils und zu einem gedeihlichen Zusammenleben der neuen und alteingesessenen Bürger beizutragen. Ebenso wie die katholische Gemeinde St. Bernard ist auch unsere Kirchengemeinde mit Sitz und Stimme in diesem Gremium vertreten. Was wäre das aber alles ohne das Engagement der Ehrenamtlichen?! Dafür nur ein paar Beispiele: Mehr als 40 Ehrenamtliche unterstützen die Flüchtlinge dabei, die deutsche Sprache zu lernen. Wegen des hohen Interesses wächst der Bedarf an GesprächspartnerInnen ständig. Deshalb werden weitere Ehrenamtliche für Hilfe beim Spracherwerb insbesondere in den Abendstunden oder am Vormittag gesucht – man muss nicht LehrerIn (gewesen) sein! Entsprechende Mails bitte an schicken. Jeden Samstag ab 16 Uhr findet im Gemeindehaus der Simon-PetrusKirche das „Café Miteinander“ statt, das auf erfreuliche Resonanz bei den Flüchtlingen stößt. Schauen Sie doch auch einmal vorbei, denn – der Name des Cafés ist Programm – hier soll das Miteinander von Alteingesessenen und Neubürgern gefördert werden.
Immer wieder bieten hilfsbereite Menschen Sachspenden an, und ebenso nette Menschen kümmern sich unentwegt darum, dass diese Spenden abgeholt und an die richtigen Leute verteilt werden. Gardinen, Geschirr, Bestecke, Töpfe und funktionsfähige Staubsauger werden besonders dringend benötigt. Anfragen und Informationen an schicken. So weit – so gut! Aber spätestens im nächsten Jahr ziehen dunkle Wolken über dem Quartier Ohlendiekshöhe auf. Laut Bürgervertrag Poppenbüttel, der 2016 zwischen der Freien und Hansestadt und der Volksinitiative „Hamburg für gute Integration“ geschlossen wurde, soll bis Ende 2019 die Anzahl der im Quartier Ohlendiekshöhe wohnenden Flüchtlinge von derzeit 500 auf 300 reduziert werden. 40 % der Menschen, die jetzt gerade dort eingezogen sind, müssten also bis Ende des kommenden Jahres ihre Wohnung wieder verlassen. Nach welchen Kriterien die Umzugskandidaten ausgewählt und wo sie ein neues Zuhause finden werden, weiß derzeit niemand. Die Vereine „Gemeinsam in Poppenbüttel“ und „Poppenbüttel Hilft“ vertreten zu dieser Regelung des Bürgervertrages sehr konträre Positionen: Kleine Flüchtlingseinrichtungen mit max. 300 BewohnerInnen sind für „Gemeinsam in Poppenbüttel“ die Voraussetzung für das Gelingen von Integrationsprozessen. Deshalb hat sich „Gemeinsam in Poppenbüttel“ in den Verhandlungen zum Bürgervertrag für die Reduzierung von 500 auf 300 Flüchtlingen im Quartier Ohlendiekshöhe stark gemacht und fordert darum nachdrücklich die Einhaltung dieser vertraglich garantierten Maßnahme. „Poppenbüttel Hilft“ hat diesen Paragraphen des Bürgervertrages stets entschieden als Integrationshemmnis kritisiert. Wer befürchten muss, kurzfristig in einen anderen Stadtteil umgesiedelt und gegen seinen Willen aus seinen sozialen, beruflichen oder schulischen Zusammenhängen herausgerissen zu werden, wird kaum Motivation zur Integration entwickeln. Für die zahlreichen Kinder und Jugendlichen aus den Flüchtlingsfamilien des Quartiers Ohlendiekshöhe ist die Regelung des Bürgervertrages zudem eine schwere Belastung im Blick auf ihren Bildungserwerb und ihren Schulerfolg. Der gemäß Bürgervertrag im Jahr 2019 zu realisierende Auszug von 40 % der Flüchtlinge aus dem Quartier Ohlendiekshöhe wird nicht nur zu erheblicher Unruhe bei den dortigen
BewohnerInnen führen, sondern auch sehr kontroverse Diskussionen im Stadtteil Poppenbüttel auslösen. Hoffentlich mischen sich viele Mitglieder unserer Gemeinde mit klarer Position in die notwendige Debatte ein. Die in der jüdisch-christlichen Tradition aufbewahrten Erinnerungen an Flucht, Vertreibung und Leben in der Fremde sowie ihre theologische Deutung in den biblischen Texten sollten dafür Grundlage und Maßstab sein.

Folkert Doedens

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