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Es wird nichts wieder so, wie es einmal war

Das hörten wir am 10. November 1989 vom Exkanzler Willy Brandt auf einer Rede zum Mauerfall – und dann öfter, etwa nach dem 11. September 2001 oder der Finanzkrise 2007/8. Heute prophezeien  es die Corona‐Deuter*innen: Nichts wird sein, wie es war.

Ob das wirklich so war oder sein wird? Ich  erinnre mich bei den genannten Daten, dass meine Bandscheiben sich nicht verändert hatten – und auch die umgebenden Mitmenschen blieben in etwa auf dem Level, den sie schon vorher hatten. Vor allem der Mensch scheint mit seinen existentiellen Problemen und Freuden recht  veränderungsresistent, ob wir nun in der Bibel, bei Platon oder im Abendblatt von ihm lesen. So könnte man meinen, aber ist es auch wirklich so? Ändert sich für den Menschen nichts? Damals, im Jahre 1, schien sich nach der „Zeitenwende“ nicht viel verändert zu haben: Als der König Herodes in  Jerusalem von einem neugeborenen König in der Gegend von Bethlehem hörte, ließ er dort erst einmal alle Kinder töten. Sicherheitshalber. Das Alte wehrt sich zunächst, und es scheint alles noch viel schlimmer zu werden. Ich glaube, es ist oft so: Wenn das Heil naht, erhebt die Schlange ihr Haupt! Da aber war der König des Lebens und seine Versöhnung schon in der Welt – und er war nicht mehr zu töten, zumindest nicht „nachhaltig“: Gerade in dem Versuch kam sein Leben zutage! Ich glaube, so wirkt Gott unter uns. Hier war es ein Baby, ein Säugling, der als Mensch unter Menschen und  menschenunwürdigen Bedingungen in die Welt kam. Mitten unter uns, sagt diese Geschichte, beginnt die Revolution allen Lebens, klein, unscheinbar – und er wirkt doch, damals wie heute, und zwar weltverändernd. Ich meine damit nicht die folgende schreckliche Gewaltmacht der Kirche des Mittelalters oder den weltweiten Erfolg christlicher Missionare. Ich meine den Geist, der das Leben  aller Menschen längst verwandelt und erneuert, auch bis in andere Religionen hinein; Mahatma Gandhi war so ein Beispiel. Von Herz zu Herz geht diese Botschaft um, die sagt: Die Liebe hat schon gesiegt. Dass heute – relativ zur Bevölkerungszahl – viel weniger Gewaltopfer zu beklagen sind als in allen Jahrhunderten zuvor, hat damit sicher zu tun. Christi Geburt wird darum auch als „Mitte der Zeit“ verstanden, auf die vorher alles zulief und von der nachher alles ausging, was wichtig wird. Verstehen wir ihn als die verkörperte Liebe Gottes unter uns, dann wird das verständlich; denn nichts als die Liebe hält das Universum in seinen Bahnen. Wie wird es aber nach Corona sein? Da möchte ich uns Christen zuerst deutlich sagen, dass dieses Gerede davon, Corona sei eine apokalyptische Strafe Gottes, falsch und sogar gefährlich ist. So etwas haben wir schon oft gehört, auch um die Jahrtausendwende, und es hat sich immer als falsch  erwiesen. Als ob Gott grade noch einmal die Alten, Armen und Unversicherten bestrafen wollte, bevor er den Laden zumacht. So ein Denken zerstört Hoffnung und Glauben zugleich! Corona ist aber ein Weckruf, der uns angesichts des wehrlosen Kindes in der Krippe völlig klar an das Eine erinnert, was jetzt zu tun ist: Nämlich Jesu unmissverständlichen Auftrag zu erfüllen – und das ist: Jetzt endlich für die Schwächsten unter uns einzutreten. Wenn wir das tun, wird wirklich alles anders. Besser!

Pastor Stephan Uter

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