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Dennoch-Glaube

Oft ist es in unserem Leben mit Gott und dem Glauben so, dass wir scheinbar keine Probleme damit haben, solange es uns gut geht und die Dinge sich so entwickeln, wie wir uns das wünschen.  Wenn jedoch Ereignisse oder Entwicklungen eintreten,

die schmerzhaft sind oder uns vor ernsthafte  Probleme stellen, dann fragen wir: „Wo bist du, Gott?“ oder: „Wie kann Gott das zulassen?“ oder –  halb ängstlich fragend, halb vorwurfsvoll – „Womit habe ich das bloß verdient?“

In solchen Zeiten des Lebens kann uns unser Glaube dann tatsächlich zum Problem werden. Wo uns vorher Zuversicht und vielleicht sogar so etwas wie Glaubensgewissheit getragen haben, nagen  plötzlich Zweifel, und Angst macht sich breit. Gott scheint weit weg, desinteressiert oder gar nicht  existent zu sein. Wenn es uns so geht, dann ist das ganz menschlich, und wir können uns zumindest  damit trösten, dass es vielen anderen auch so geht. Allerdings ist nicht alles, was „menschlich“ ist,  auch gut und hilfreich. Das Problem an dieser Stelle ist: Wenn unser Glaube eine solche Rolle in  unserem Leben einnimmt, ist es ein „Schönwetter-Glaube“, der den Realitäten des Lebens nicht  wirklich gewachsen und damit auch nicht wirklich hilfreich ist. Außerdem steht dahinter bisweilen ein  zumindest problematisches Gottesbild. Es besagt: Wenn du einigermaßen anständig lebst, noch nie  jemanden umgebracht und bisher zumindest nur kleine Dinge gestohlen hast, dann müsste dich Gott  eigentlich dafür belohnen, indem er es dir gut gehen lässt. Üble Dinge dürfen nur bösen Menschen geschehen. Natürlich würde das niemand so plakativ sagen, wie ich es gerade getan habe, aber im  Tiefsten steckt diese Denkweise doch oft in uns. Auch biblische Texte kennen solche Gedanken,  gehen aber an entscheidender Stelle doch immer wieder weit darüber hinaus. Biblischer Glaube weiß  um die Nöte und Schattenseiten des Lebens. Leid-Erfahrungen, manchmal sogar unfassbar großes   Leid, gehören zum Leben dazu. Oft können wir erkennen, woher das Leid kommt und wer daran schuld ist, aber oft auch nicht. Tragfähiger Glaube beginnt da, wo nicht unsere Erfahrung alleiniger  Maßstab für unsere Weltdeutung ist und wo nicht unsere eigene Erkenntnis einziges Kriterium dafür
ist, was wirklich ist. Beides – Erfahrung und Erkenntnis – ist wichtig, aber es ist auch begrenzt und kann trügerisch sein.  Das Fundament für biblischen Glauben ist Vertrauen. Natürlich kann auch Vertrauen letztlich nur dort wachsen, wo wir ermutigende Erfahrungen machen, und natürlich können  wir nur dem vertrauen, was wir kennen gelernt  haben. Aber Vertrauen kann auch dann noch tragen,  wenn Erfahrungen widersprüchlich werden und wir die Welt nicht mehr verstehen. Vertrauen können
wir dennoch. Wo unser Glaube im Vertrauen sein Fundament findet, wird er gerade dort, wo sich das Leben gegen uns zu wenden scheint, seine größte Kraft entfalten. Zu solchem Dennoch-Glauben  macht der Monatsspruch für Dezember Mut:

Wer im Dunkel lebt und wem kein Licht leuchtet, der vertraue auf den Namen des Herrn und verlasse  sich auf seinen Gott.  Jesaja 50,10

Pastor Peer Lichtenberg

Predigten und Texte zum Nachlesen oder Nachhören

Hier finden Sie Predigten aus unseren Kirchen und Texte aus „Auf ein Wort”, die Sie in Ruhe nachlesen können.

Die Predigttexte sind allein schriftliche Hilfen für die lebendig – also mündlich predigenden PastorInnen: Es gilt das gesprochene Wort. Diese Unterlagen sollen für die Predigthörer Stichworte zur Erinnerung liefern. Ausschnitte dürfen also nicht als Predigtzitate genutzt werden, weil die Predigt möglicherweise in einzelnen Bereichen anders gehalten wurde.