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Fastenaktion: "7 Wochen ohne"

Am Aschermittwoch, am 2. März, beginnt wieder die Fastenaktion Sieben Wochen Ohne“. Aber mal ehrlich: Brauchen wir in diesem Jahr wirklich eine Fastenaktion? Haben wir nicht in den letzten Monaten bzw. in den letzten zwei Jahren auf genügend verzichten müssen?

Konzerte, Theater, Essengehen, Feiern in großer Runde – natürlich: All das war manchmal möglich, dann aber unter  erschwerten Bedingungen. Wir suchen doch gerade nicht das, was uns aus dem normalen Rhythmus herausbringt, wofür die Fastenaktion ein Anstoß sein will, ondern was uns wieder in die Normalität hineinbringt.

Ein Blick auf die Themen der letzten Jahre lenkt meine Aufmerksamkeit allerdings darauf, dass es bei der Fastenaktion nicht unbedingt um Verzicht geht, sondern um einen Blickwechsel. Da gab es zum Beispiel Themen wie: Zuversicht – Sieben Wochen ohne Pessimismus (wäre doch auch ein gutes Thema für dieses Jahr oder?), Augenblick mal Sieben Wochen ohne Sofort, Großes Herz – Sieben Wochen ohne Enge oder Du bist schön – Sieben Wochen ohne Runtermachen. Schon in den Anfängen ging es beim Fasten eigentlich nicht in erster Linie um Verzicht. Jesus hat nach seiner Taufe 40 Tage lang in der Wüste gefastet. Ihm ging es darum, sich nicht ablenken zu lassen, sich ganz auf Gott einzulassen, eine fragende Haltung Gott gegenüber einzunehmen, was er zu sagen hat, was sein Wille ist. Sein Motto hätte vielleicht sein können: Konzentration Sieben Wochen ohne Ablenkung.
In diesem Jahr lautet das Thema: Üben! – Sieben Wochen ohne Stillstand!

Das lässt einen großen Spielraum für das, was wir selber üben wollen. Was würden Sie gern einmal einüben? Mir fällt dazu ein: Ich würde gern einüben, mit meinem Urteil über andere vorsichtiger zu sein. Wir sind mit unserem Urteilen eine mächtige Instanz füreinander. Mit dem, was wir übereinander denken und sagen, können wir entscheidend in die Entwicklung eines Menschen eingreifen, besonders bei Kindern. Wir können durch Ermutigung und helfende Kritik jemanden fördern, damit er  sein Leben entfalten kann. Und genauso können wir durch unser negatives Urteil einen Menschen lähmen und auf seine Defizite festlegen. In unserer Gesellschaft erleben wir zurzeit eine Spaltung in  diejenigen, die sich impfen lassen und Impfbefürworter sind und diejenigen, die Impfgegner sind. Die gegenseitigen Urteile stehen fest. Geben wir einander eigentlich noch die Chance, aufeinander zu  hören? Und schon bei dieser Frage wird mir unwohl. Denn als Impfbefürworterin muss ich doch alles daransetzen, dass sich alle impfen lassen. Ja, dafür stehe ich ein. Und dennoch muss das doch nicht heißen, dass ich Menschen anderer Meinung verurteile. Ich kann anderer Meinung sein, aber es steht mir nicht zu, einen Menschen zu verurteilen. In der Bibel heißt es, dass Gott der Richter ist. Ich weiß,  das ist nicht unsere Lieblingsvorstellung von Gott. Aber wenn Gott richtet, dann rückt er ins rechte Licht. Dann richtet er uns neu aus und richtet uns auf. Vielleicht hilft uns das auch, einander neu zu sehen und zu begegnen und mit unserem Urteil vorsichtiger zu sein.


Pastorin Barbara Hanzig

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