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Ich brauche ein Kontrastprogramm!

Das sind im Moment meine Gedanken. Ich sitze am Schreibtisch. Es ist Mitte April. Draußen ist es trübe. 5 Grad (immerhin etwas wärmer als gestern) – und ich soll einen Artikel schreiben für das Kirchenfenster im Sommer.

Zum Sommer fällt mir aber nur ein Wort ein: Sehnsucht. Kaum einmal war die Sehnsucht so groß wie  in diesem Jahr. Sehnsucht nach Sonne und Wärme, Sehnsucht nach einem Urlaub, den ich nicht in  den eigenen vier Wänden verbringe, Sehnsucht danach, geimpft zu werden, in ein Restaurant gehen zu können und in ein Konzert … Wie die Situation wohl ist, wenn Sie im Juni diese Zeilen lesen?

Jetzt brauche ich auf jeden Fall ein Kontrastprogramm! Und das heißt: Glück! Natürlich bin ich versucht zu sagen: wenn erst einmal diese Pandemie einigermaßen im Griff ist, ist alles besser und das Glück kehrt zurück. Wenn ich erst einmal geimpft bin… Wenn wir endlich wieder freier leben  können… Wenn, ja wenn… Und gleichzeitig weiß ich, dass das ein Trugschluss ist. Ich verschiebe die  Möglichkeit, glücklich zu sein, in die Zukunft. Und suche jetzt nicht nach ihm.

Dabei gibt es doch Gründe, glücklich zu sein oder zumindest dankbar: ich bin nicht an Corona  erkrankt, auch niemand aus meiner Familie. Mein Gehalt kommt pünktlich und in voller Höhe. Und obwohl ich alleine lebe, habe ich doch Menschen, mit denen ich mich austauschen kann, zumindest am Telefon.

Oder wenn man es etwas mehr von der heiteren Seite sehen will: wir sind Glückspilze, denn statistisch gesehen leben die glücklichsten Deutschen in Schleswig-Holstein – und da sind wir als  Hamburger doch ganz dicht dran! Und noch ein Grund: wie Eckhardt von Hirschhausen in seinem Glücksbuch schreibt: „Sie haben gewonnen! Die Chance, geboren zu werden, ist sehr viel kleiner als ein Sechser im Lotto. Sie wurden sorgfältig durch die Eizelle aus einem Pool von 300 Millionen Mitbewerbern ausgewählt. … Sie sind ein Gewinner, so oder so. Machen Sie das Beste draus!“ Ob dieser etwas heitere Blick hilft?

Mir hilft noch ein anderer Blick, nämlich der in die Bibel. Im Psalm 1 heißt es: „Glücklich ist, wer  Freude hat am Gesetz des Herrn und darüber nachdenkt – Tag und Nacht. Er ist wie ein Baum, der nah am Wasser steht, der Frucht trägt jedes Jahr und dessen Blätter nie verwelken.“ Ich mag das Bild  vom Baum, der seine Wurzeln zum Wasser hin ausstreckt und sie dahin wachsen lässt. Es gibt also  eine Kraftquelle, die unabhängig ist von den äußeren Umständen – auch von der Dürre, die viele von  uns zurzeit empfinden. Gott kann für uns diese Quelle sein, wenn wir uns nach ihm ausstrecken. Vielleicht wäre das ja ein gelungenes Kontrastprogramm für den Sommer!

Pastorin Barbara Hanzig

Predigten und Texte zum Nachlesen oder Nachhören

Hier finden Sie Predigten aus unseren Kirchen und Texte aus „Auf ein Wort”, die Sie in Ruhe nachlesen können.

Die Predigttexte sind allein schriftliche Hilfen für die lebendig – also mündlich predigenden PastorInnen: Es gilt das gesprochene Wort. Diese Unterlagen sollen für die Predigthörer Stichworte zur Erinnerung liefern. Ausschnitte dürfen also nicht als Predigtzitate genutzt werden, weil die Predigt möglicherweise in einzelnen Bereichen anders gehalten wurde.