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Auf ein Wort

1963 Jahre Philemon-Brief aus Ephesus – ein Name mit Programm

Vermutlich im Jahre 56 schrieb Paulus einem reichen, gut befreundeten Römer mit dem schönen  Namen Philemon einen Brief, den Philemon-Brief, wie er heute in der Bibel steht. Philemon heißt zu  Deutsch „der Freundliche“.

Darin setzt sich Paulus ein für einen entlaufenen Sklaven seines Freundes mit dem Namen Onesimus,  verdeutscht „der Nützliche“. Paulus hatte diesen getauft und so in die christliche Gemeinschaft als Partner aufgenommen. Er wollte Onesimus nun zu seinem Herrn zurücksenden. Dabei empfiehlt er seinem Freund Philemon aber dringend, diesen jetzt nicht nur nicht zu bestrafen  oder erneut als Sklaven zu behandeln, sondern – gegen jede Regel – als „geliebten Bruder“  anzunehmen – „wie mein eigenes Herz“. „Nimm ihn auf, wie du mich selbst aufnehmen würdest“, bittet er inständig. Denn entlaufenen Sklaven drohten grausamste Strafen bis hin zum Tode. Paulus dreht  diese Erwartung auf den Kopf und bietet darüber hinaus auch noch an, jeden entstandenen „Schaden“ zu bezahlen. Mit dieser Formulierung deutet er auf die furchtbare Gewohnheit, Sklaven nicht als  Menschen, sondern als materiellen Besitz mit Zeitwert zu betrachten wie eine Sache. Damit ist dieser  Brief ein beeindruckendes Dokument für das umwälzend neue Denken, das mit Jesus in die Welt  gekommen war: An Stelle des Oben und Unten der Sklavenhaltergesellschaften setzt Paulus  vollständig auf ein übergreifend liebevolles, geschwisterliches Miteinander auf Augenhöhe aller  Menschen. Und er sieht es als Aufgabe des jeweils stärkeren Partners, sich für den Schwächeren so  einzusetzen, dass er eine echte Chance zu einem Leben in Anerkennung und Gleichheit bekommt. Insofern ist der Name Philemon für die Kirche am Tegelsbarg Zuspruch und Anspruch zugleich:  Zuspruch, weil sie damit als die „Freundliche“ bezeichnet wird, und auch, weil sie damit für eine  Gemeinschaft in menschlicher Gleichberechtigung steht. Aber zugleich stellt sie im Blick auf ihr  Handeln stets in Frage: Unterstützt sie das Auseinanderfallen der Menschen in ein Oben und Unten,  in Reich und Arm, in Vorrechte und rechtliche Benachteiligung – oder setzt sie sich wirksam für den  Ausgleich ein: für Benachteiligte, Bedürftige, für Schwache und Hilflose? Allzu lange hat sich Kirche  überwiegend an die Bevorteilten gehalten, wohl auch, um an ihren Privilegien Anteil zu haben. Der  Römer Philemon war aber von Paulus aufgerufen, das diskriminierende Unrecht, von dem er selbst  profitierte, abzuschaffen zugunsten eines menschlich liebevollen Miteinanders: einer barmherzigen  Gerechtigkeit. Welches andere Ziel könnte eine Kirche dieses Namens verfolgen? Für andere da sein  ist hier Programm, wie es der Name fordert.

Pastor Stephan Uter

Predigten und Texte zum Nachlesen oder Nachhören

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