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Auf ein Wort

Healing of Memories

In diesem Jahr beginnt die Passionszeit am ersten März. Ich schreibe diesen Artikel im Dezember 2016 und stelle mir vor, dass am 1. März vielleicht schon die ersten Krokusse und Schneeglöckchen blühen. Diese Frühblü- her liebe ich nach dem Winter besonders. Sie verkünden einen neuen Anfang, Wärme und mehr Licht. Die Wochen vor Ostern sind im Kirchenjahr ja eher mit schweren Themen belegt.
Sieben Wochen lang bereiten wir uns auf das Osterfest vor, indem wir uns an Leiden und Sterben Jesu erinnern und uns mit den Grundfragen unseres eigenen Le- bens beschäftigen, z. B. mit dem Sinn von Leiden, mit Ängsten und Hoffnungen angesichts des Todes, mit Fragen nach Schuld und Vergebung oder mit Wün- schen, den eigenen Lebensstil zu verändern. Das sind alles wichtige und gleich- zeitig schwerwiegende Themen, die auch belasten können. Und trotzdem emp- finde ich die Osterfreude intensiver, wenn ich vorher diesen schwierigen The-
men nicht aus dem Weg gegangen bin.
Die Passionszeit 2017 steht darüber hinaus unter einem besonderen Stern,
weil wir auf das Reformationsfest zugehen. Das Reformationsjubiläum ist so- wohl ein Fest der Freude als auch eine Gelegenheit, daran zu erinnern, wo die Konfessionen aneinander schuldig geworden sind. Gerade für Letzteres soll in der Passionszeit Zeit und Raum sein: Nach fünf Jahrhunderten haben die Kir- chen vieles gemeinsam; sie teilen die Freude am Christusglauben, an Bibel und Rechtfertigung, aber es gibt auch Schmerz und Erinnerungen, die auf Heilung warten (Healing of Memories).
Als Pastorin erinnere ich mich an ein Gespräch, das ich anlässlich der Gol- denen Hochzeit mit einem Ehepaar führte, das konfessionsverbindend heirate- te: Der Ehemann war katholisch, die Ehefrau evangelisch. Sie erlebten vor über fünfzig Jahren einen evangelischen Pastor, der den Mann aufforderte, vor der Hochzeit am evangelischen Konfirmandenunterricht teilzunehmen. Ähnliche Erfahrungen mussten viele Menschen machen. In anderen Gesprächen erfuhr ich, dass sich in konfessionsverschiedenen Ehen die evangelischen Ehepartner verpflichten mussten, die Kinder katholisch taufen zu lassen. Und gemeinsam am Abendmahl teilzunehmen – das erwies sich als ganz schwierig. Zum Glück hat sich heute vieles im Verhältnis der Konfessionen gelockert, und die Verlet- zungen werden ausgesprochen.
Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und die Deutsche Bischofs- konferenz werden am 11. März in Hildesheim einen zentralen Versöhnungsgot- tesdienst zum Thema „Healing of Memories“ halten. Wir sind aufgefordert, dies auch in unseren Gemeinden in der Nordkirche zu tun, und so feiern wir in der Simon-Petrus-Kirche im Red-Letter-Gottesdienst am 26. März um 18 Uhr ei- nen „Healing of Memories“-Gottesdienst.
Wie schön wäre es, wenn wir damit in der Passionszeit einen weiteren Schritt aufeinander zu machen und heilende Versöhnung erleben könnten – nicht nur in Hildesheim, sondern auch hier in Poppenbüttel, um dann fröhlich Ostern zu feiern und später im Jahr versöhnt das Reformationsfest.
                                                                                                                                                                                                       Pastorin Ute Ehlert-In

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Predigten und Texte zum Nachlesen oder Nachhören

Hier finden Sie Predigten aus unseren Kirchen und Texte aus „Auf ein Wort”, die Sie in Ruhe nachlesen können.

Die Predigttexte sind allein schriftliche Hilfen für die lebendig – also mündlich predigenden PastorInnen: Es gilt das gesprochene Wort. Diese Unterlagen sollen für die Predigthörer Stichworte zur Erinnerung liefern. Ausschnitte dürfen also nicht als Predigtzitate genutzt werden, weil die Predigt möglicherweise in einzelnen Bereichen anders gehalten wurde.