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Auf ein Wort

Freiheit der Rede

Die Freiheit, die eigene Meinung nicht nur haben, sondern auch sagen zu können, ist eines der höchsten Güter unseres freiheitlichdemokratischen Rechtsstaates. Wo dieses Grundrecht eingeschränkt wird, ist höchste Wachsamkeit geboten. Allerdings ist mit einem so fundamentalen Recht auch eine große Verantwortung verbunden. Jede Freiheit kann missbraucht werden, wenn sie sich über die Freiheit und Grundrechte anderer erhebt und diese einschränkt. Dann kann Freiheit in ihr Gegenteil verkehrt werden – sie wird im Sinne des Wortes pervers. Das Internet mit seinen unzähligen Möglichkeiten seine Meinung kundzutun, hat noch einen neuen Aspekt zur Redefreiheit hinzugefügt: die Anonymität. Hier kann jede/r versteckt hinter einem Pseudonym ungeschminkt herauslassen, was im eigenen Kopf oder Herzen so vor sich geht. Oft – sehr oft – werden dabei die Grenzen des Anstands und des guten Geschmacks überschritten. Diskussionsforen wimmeln von Beleidigungen und respektlosen bis hasserfüllten Äußerungen. Die Sprache verroht und damit auch die Art, wie wir miteinander umgehen. Wir Christen haben zu diesem Thema einiges zu sagen. Das Wort spielt in unserem Glauben eine zentrale Rolle. Immer wieder haben Christen mutig die gute Nachricht von der Liebe Gottes in Jesus Christus weitergesagt. Auch dort, wo es keine garantierte Freiheit der Rede gab und gibt. Es gehört zu den Kennzeichen der Reformation, auf die wir evangelischen Christen zurecht stolz sein können, dass Martin Luther und andere sich um der Wahrheit Willen auch den Mächtigen ihrer Zeit entgegen gestellt haben – auf die Kraft des Wortes vertrauend. Auch die Bibel erzählt davon, wie klar und furchtlos Jesus zu den Menschen geredet hat. Nicht immer nur Angenehmes und gern Gehörtes, aber das, wovon er überzeugt war, dass die Leute es hören sollten. Verbunden war diese freie Rede aber immer mit dem ehrlichen Anliegen, Gutes zu sagen und damit zu bewirken. Es ging nicht einfach darum, recht zu haben. Selbst dort, wo Jesus bestimmte Menschen aufs Schärfste kritisiert, ist spürbar, wie sehr es ihm um sie und ein gelingendes Leben für sie geht. Das können und sollten wir uns zum Vorbild nehmen. Dabei geht es aber nicht einfach darum, „Kreide zu fressen“ und nett oder gar fromm zu reden, während wir eigentlich ganz anderes denken. Vielmehr können wir immer wieder unsere eigene Haltung den Dingen und Menschen gegenüber prüfen und danach fragen, welche Motive unserem Reden zugrunde liegen. Geht es uns um Rechthaberei, Frustbewältigung, Vergeltung oder die Demonstration von Überlegenheit? Oder geht es uns darum, Gutes zu sagen und damit zu bewirken?

Wenn ein Baum gut ist, sind auch seine Früchte gut ... Wie der Mensch in seinem Herzen denkt, so redet er.

Matthäus 12, 33f

Ich wünsche Ihnen eine von großer Freiheit und Leichtigkeit geprägte Sommerzeit. Pastor Peer Lichtenberg

Predigten und Texte zum Nachlesen oder Nachhören

Hier finden Sie Predigten aus unseren Kirchen und Texte aus „Auf ein Wort”, die Sie in Ruhe nachlesen können.

Die Predigttexte sind allein schriftliche Hilfen für die lebendig – also mündlich predigenden PastorInnen: Es gilt das gesprochene Wort. Diese Unterlagen sollen für die Predigthörer Stichworte zur Erinnerung liefern. Ausschnitte dürfen also nicht als Predigtzitate genutzt werden, weil die Predigt möglicherweise in einzelnen Bereichen anders gehalten wurde.